Hochwasser 2002
Home Nach oben Erleben Sie ... Eintrittspreise ... So finden Sie uns ... Gastronomie ... Kontakt ... News Links

 

 


Mit vereinten Kräften kämpften Feuerwehrmänner und weitere Helfer die ganze Nacht über an der Prümbrücke in Waxweiler gegen die Fluten. Mit Schotter befestigte Planen hielten das Wasser im Flussbett.Foto: Silja Friedrich

"So etwas noch nie erlebt"

Eifel-Zoo Lünebach und Forellenzucht in Schönecken überflutet

SCHÖNECKEN/LÜNEBACH/WAXWEILER. (js/cus/mr) Die heftigen Regenfälle und der Sturm am Donnerstagabend haben auch im Prümer Land ihren Tribut gefordert. Rund um die Uhr waren Feuerwehren der Verbandsgemeinden Arzfeld und Prüm sowie das Technische Hilfswerk Prüm (THW) im Einsatz.



Allein die Feuerwehr-Einsatz-Zentrale in Prüm zählte in der Nacht auf Freitag mehr als 20 Hilfeleistungen. Besonders schlimm traf das Hochwasser den Eifel-Zoo bei Lünebach/Pronsfeld. Innerhalb weniger Stunden schwoll der kleine Bierbach zu einem reißenden Strom und überflutete die Anlage fast komplett. "Mich erreichte die Nachricht am Abend in Köln", sagte Zoo-Chef Hans Wallpott, der seine Erschütterung offen zum Ausdruck brachte. Am Freitagmorgen sah Wallpott dann die "Bescherung" in seinem Zoo, der sein großes Lebenswerk ist. Die Anlage glich einer riesigen Seenplatte, mittendrin durchfurcht von einem entfesselten Bierbach. Dieser hatte Wege weggespült, das Pflaster im Bahnhofsgebäude aufgerissen, Ställe und Gehege überschwemmt. "Beim ersten Anblick war ich nur noch niedergeschlagen", sagte Hans Wallpott im TV -Gespräch.

Tigerbaby Ulla muss umziehen

Weitere Schäden im Eifel-Zoo machte der Kölner schnell aus: Böschungen waren unterspült, Zäune weggerissen, Holzbrücken abgetrieben und zahllose Pflanzen ausgerissen. "Tiere sind zum Glück nicht zu Schaden gekommen", resümierte Wallpott, "einige konnten früh genug gerettet werden". Dazu zählt auch "Ulla", das Tigerbaby, das vorübergehend im Wallpott-Haus Quartier bezogen hat.

Umgehend machten sich Hans Wallpott und sein Team an die Schadensregulierung. Der Dringlichkeit nach sollen nun zuerst die Wege wieder gangbar gemacht und Brücken aufgerichtet werden. Auf etwa 30 000 Euro schätzt der Zoo-Chef die Schadenshöhe, "wenn es damit reicht". Mitarbeiter Hans Kloos: "Seit ich hier bin, seit 31 Jahren, hat es ein solches Hochwasser hier nicht gegeben." Der Lünebacher Eifel-Zoo bleibt am heutigen Samstag geschlossen.

Um Gebäude vor den drohenden Wasserfluten vorsorglich zu schützen, hatten THW und Feuerwehr am Donnerstagabend 250 Sandsäcke herausgegeben. Um auf Nummer. Sicher zu gehen, besorgten THW-Retter weitere 5000 im Trierer Zentrallager. Schutz vor den Wassermassen brauchte unter anderem die Watzerather Kapelle, die von der überlaufenden Prüm bedroht war.

Etliche entwurzelte Bäume räumten Feuerwehrleute unterdessen von den Straßen im Prümer Land. Unter anderem hatte es Kreis- und Landstraßen bei Sellerich, Schloßheck, Großlangenfeld und Habscheid getroffen.

In der Nimstalgemeinde Schönecken liefen zahlreiche Keller voll Wasser. Verzweifelt kämpften Bürger und Feuerwehren gegen die Naturgewalt. Katastrophal war die Lage auf dem weitläufigen Gelände der Forellenzucht Kauth. Die gesamte Anlage mit 32 Teichen und dem Mühlengraben war überflutet. Das Wasser in den Weihern, in denen tausende von Fischen schwammen, trat über die Ufer und vereinigte sich mit der Nims zu einem reißenden Strom. Schlammlawinen wurden über das Gelände und in Garagen gespült. Becken der Fischhälterungen wurden teilweise mitgerissen. Die Feuerwehren waren zunächst bei Einsätzen in Privathäusern gebunden, setzten dann aber auch in der Forellenzucht Pumpen ein. Mit einem schweren Bagger wurden Durchlässe geöffnet, damit das Wasser abfließen konnte, und Schutzdämme aufgeschüttet.

Die Betroffenen wundern sich indes, dass alles so schnell ging. Nach rasantem Anstieg war gegen 21 Uhr der Höchststand erreicht, und schon wenige Stunden später ging der Pegel stark zurück. "So etwas haben wir hier noch nie erlebt", sagt Petra Kauth. Sie vermutet, dass jemand zum Beispiel durch das Öffnen einer Rückhalteschleuse die Situation verschärft haben könnte. Für Fischwirtschaftsmeister Michael Kauth ist das Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen: "Wir haben Forellen aller Altersstufen verloren. Da hängt jahrelange Arbeit dran."

Viel zu tun gab es auch in der Prümtalgemeinde Waxweiler. Die Feuerwehren Waxweiler, Krautscheid und Dackscheid sowie das THW Prüm waren mit insgesamt mehr als 50 Helfern teilweise die ganze Nacht über bis Freitagmittag im Einsatz. Zunächst war der Weiherbach beim neuen Parkplatz an der Rückseite der Hauptstraße über die Ufer getreten. Das Wasser suchte sich seinen Weg an "Kätches Eck" vorbei über die Straßen am Kanal. Viele Keller standen unter Wasser. Mit einem Frontlader wurde ein Erdwall aufgeschüttet, um die Straßen wieder weitgehend trocken zu legen.

Landstraße wurde zur Wasserstraße

Bei der Prümbrücke zum Schmelzberg reichten Sandsäcke allein nicht aus. "Wir mussten improvisieren", berichtet der Waxweiler Wehrführer Rainer Pütz. Die Lösung: Die Männer schlugen Silo- und Lkw-Planen über das Geländer und befestigten sie mit Schotter, um das Wasser im Flussbett zu halten. Die Baufirma Köppen hatte spontan einen schweren Radlader zum Transport des Schotters aus dem Steinbruch zur Verfügung gestellt. Zusätzlich war ein Radbagger von Weiland-Bau im Einsatz. Die Firma BAG half mit zwei großen Schmutzwasserpumpen aus. Dadurch verhinderte die Feuerwehr unter anderem, dass das Vorratslager des Sparmarktes überflutet wurde.

Auch die Lünebacher Feuerwehr war mit 20 Mann die ganze Nacht aktiv. "Wir haben an 15 Stellen gleichzeitig gearbeitet", beschreibt Wehrführer Engelbert Propson die dramatische Lage. Viele Privathäuser und Firmen standen unter Wasser, umgeknickte Bäume mussten von den Straßen geräumt werden. Die überflutete L 12 zwischen Lünebach und Waxweiler wurde voll gesperrt. Alle Pumpen waren im Einsatz, hunderte von Sandsäcken wurden gepackt. Propson: "Ein großes Lob an die Bürger, die uns geholfen haben. Letztlich haben wir weitere Schäden verhindert."

Bilder der Überschwemmungen im Eifel-Zoo